
Konferenzpapier zu seniorenfreundlicher Fußgängernavigation auf der DESRIST 2026 präsentiert
Erdi Ünal präsentierte das gemeinsam mit Daniel Eisenhardt, Prof. Christian Meske (SSKI) sowie Seyed Nima Afzali und Prof. Aysegül Dogangün (Hochschule Ruhr West) verfasste Konferenzpapier „When Shortest Isn’t Safest: Senior-Friendly Pedestrian Routing“ auf der International Conference on Design Science Research in Information Systems and Technology (DESRIST 2026) in Münster.
Selbstständige Mobilität ist für ältere Menschen eine zentrale Voraussetzung für Teilhabe, Wohlbefinden und Gesundheit. Gängige Navigationssysteme optimieren Routen jedoch primär nach Distanz oder Zeit und übersehen dabei Barrieren wie Treppen, Steigungen oder unebene Oberflächen sowie unterstützende Infrastruktur wie Bänke, Toiletten und Unterstände, die die Routenwahl im Alter maßgeblich prägen. Die kürzeste Route ist damit nicht immer die sicherste oder am besten zu bewältigende.
Im Rahmen eines echeloned Design Science Research-Ansatzes wurden auf Basis von elf semistrukturierten Interviews mit älteren Menschen zunächst Design Requirements und Design Principles für eine barrieresensible, ausstattungsbewusste Routenplanung abgeleitet. Diese wurden in einem Routing-Artefakt instanziiert, das auf einem angereicherten OpenStreetMap-Fußgängernetz basiert und mittels A*-Algorithmus Routen mit konfigurierbaren Kostenfunktionen und erklärenden Ausgaben berechnet. In einer feldbasierten Gehstudie verglichen 14 ältere Erwachsene die generierten Routen mit einer gängigen Baseline; die seniorenfreundliche Route wurde dabei insgesamt bevorzugt.
Die Studie liefert neun Design Requirements und fünf verfeinerte Design Principles, die unter anderem kontextsensitive Gefahrenmodellierung, transparente Mehrrouten-Empfehlungen mit expliziten Trade-offs, landmarkenbasierte Erklärungen sowie phasengerechte Informationsaufbereitung umfassen. Ein zentrales Ergebnis: Navigationssysteme sollten Routen nicht nur berechnen, sondern auch verständlich kommunizieren, warum eine Route sicherer oder besser geeignet ist. Die Arbeit bietet damit handlungsleitendes Gestaltungswissen für die Entwicklung seniorenfreundlicher Navigationssysteme.
Das Full Paper wurde in den Proceedings der Konferenz (Springer LNCS) publiziert: https://doi.org/10.1007/978-3-032-28316-0_23
Die Arbeit entstand im Rahmen des Projekts KISS, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
